Simon Geib has been Managing Director of the Ank-Kaiser Group since 2022. With the support of financial investor Beyond Capital Partners, the company has developed into one of the largest medical supply store groups in Germany. In an interview with STT, Simon Geib speaks about the professionalisation of the group, strengthening local brands and the opportunities of digitalisation.
GP: Herr Geib, vor Ihrem Einstieg in die Hilfsmittelbranche waren Sie in anderen Branchen tätig. Was hat Sie nach Ihrem Einstieg in die Sanitätshausbranche am meisten überrascht – positiv und negativ?
Simon Geib: Was mich besonders positiv überrascht hat, ist die hohe Intensität und unmittelbare Wirksamkeit der Arbeit. Im Vergleich zu einem Großkonzern spürt man im Sanitätshaus sehr direkt, welchen Unterschied das eigene Handeln macht. Hier hat jede Tätigkeit eine hohe Relevanz und direkte Wirkung, sei es am Patienten, am Kunden oder in der Kommunikation mit den Kostenträgern. Dies habe ich in keiner anderen Branche so intensiv erlebt.
GP: Und was waren die negativen Überraschungen?
Geib: Mich hat erstaunt, wie viel administrativer Aufwand notwendig ist, um dieses Geschäftsmodell erfolgreich zu betreiben. Topics wie Vertragswesen und Präqualifizierung bringen einen erheblichen Aufwand mit sich, der von außen kaum erkennbar ist. Ich habe mich gefragt, wie wir unseren Kunden erklären, dass sie in der Apotheke nach drei Minuten ihr Rezept einlösen können, im Sanitätshaus aber gefühlt eine Viertelstunde warten müssen, bis sie nach einer Vielzahl von Unterschriften mit ihrem Produkt nach Hause gehen können. Da wird mit zweierlei Maß gemessen, was die regulatorischen Anforderungen angeht.
GP: Haben Sie dafür ein konkretes Beispiel?
Geib: Es gibt Kostenträger, die eine Unterschrift noch in Papier und im Original fordern, und das zu Zeiten von revisionssicheren, digitalen Möglichkeiten wie z.B. DocuSign. Oder Kostenträger, die Rezepte alphabetisch sortiert haben wollen. Wenn nur zwei Namen in einem Stapel von 1.000 Rezepten vertauscht sind, kommt der komplette Stapel zurück. Wenn ich mit Freunden aus anderen Branchen spreche, verstehen sie das Problem gar nicht. Ich glaube, hier hat unsere Welt Potenzial, Prozesse für alle Seiten zu vereinfachen. Meine Hypothese ist, dass auch der Kostenträger damit Aufwand und letztendlich Personalkosten sparen könnte.
GP: Welche strukturellen Veränderungen beobachten Sie derzeit besonders deutlich – etwa durch die Ambulantisierung?
Geib: Die Ambulantisierung ist ein wichtiges Stichwort, nicht nur in Bezug auf die Kliniklandschaft, sondern auch für die gesamte Gesundheitsversorgung. Bei der Ärzteschaft beobachte ich ein Umdenken: weg von der Selbstständigkeit hin zum Angestelltenverhältnis, u.a. in MVZs. Viele dieser Ärzte arbeiten vielleicht 35 bis 40 Stunden pro Woche, während der selbstständige Arzt in den 80er-Jahren oft die doppelte Zeit pro Woche gearbeitet hat. Zudem wird die Medizin weiblicher. Wenn wir mehr Ärztinnen haben, die statistisch häufiger in Teilzeit arbeiten, brauchen wir insgesamt mehr Ärzte. Hinzu kommt der demografische Wandel, der auch vor den Ärzten und uns im Sanitätshaus nicht haltmacht. Viele OT-Meister und -Meisterinnen gehen in den nächsten Jahren in Rente, und es kommen zu wenige nach.